Offenstallwissen

Offenstallwissen

Bau einer Solebox

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

Veröffentlicht am 7.1.2021 von Katharina Graf und Kathelijne Brand

Nach unseren Erfahrungen der letzten Jahre häufen sich die Pferde, die mit Atemwegsproblemen kämpfen. Um gezielt diesen Pferden helfen zu können, entschieden wir uns nach ausführlicher Beratung mit einer Atemwegsspezialistin neben anderen Änderungen im Offenstall (Artikel folgt) für den Bau einer Solebox.

Weil überdachte Fläche bei uns auf dem Pferdehof Glau knapp ist, war unsere ursprüngliche Idee, einen alten Pferdeanhänger entsprechend aufzuarbeiten und umzubauen, um diesen als Solekammer nutzen zu können. Hier gab es jedoch einige Gründe die dagegen sprachen:

  • Es wäre viel Arbeit und Zeit gewesen unseren zur Verfügung stehenden Pferdehänger umzubauen
  • Um den Soleanhänger zu nutzen, muss er jedes Mal an ein Auto angehängt werden. Bockt man ihn dauerhaft auf, verliert er seine Flexibilität
  • Es braucht einen geeigneten, sicheren Platz für den Hänger (und das Auto), um das darin stehende Pferd dauerhaft beaufsichtigen zu können
  • Viele Pferde gehen nicht (gerne) auf einen Pferdehänger oder stehen dort nicht entspannt über einen längeren Zeitraum
  • Das Anbringen des Solegeräts wäre nur außerhalb des Hängers sinnvoll möglich, bräuchte dann aber einen geeigneten Witterungs- und Diebstahlschutz

Die Idee einen Pferdehänger zur Solebox umzubauen wurde daher verworfen. Wir entschieden uns dazu, die erste unserer alten, ohnehin nur im Notfall genutzten, Pferdeboxen zur Solebox umzubauen. Hier waren die Voraussetzungen deutlich besser:

  • 2 der 4 Seiten sind durch die Wände schon „dicht“, sodass kein Solenebel austreten kann
  • Die anderen beiden Seiten ließen sich ganz einfach durch das Anbringen von PVC Wellplatten an den Boxengittern abdichten
  • Die Box befindet sich sehr zentral im Kernbereich des Betriebs, sodass man das inhalierende Pferd sehr gut überwachen kann
  • Das Solegerät kann witterungsgeschützt in der Stallgasse stehen
  • Ein Stromanschluss für das Inhalationsgerät ist direkt gegenüber der Box vorhanden
Der Umbau der Solebox

Zunächst wurde die Box gründlich ausgekärchert und sauber gemacht. Im Anschluss wurde der untere Bereich der Boxenwände bis auf eine Höhe von ca. 1.30 m mit allergikergeeineter, abwaschbarer Sockelfarbe (orange) gestrichen, die das Desinfizieren und Sauberhalten der Box erleichtert.


Die PVC Wellplatten wurden an die Gitterstäbe der Boxen und auch an der Schiebetür angebracht, um den restlichen Teil der Solebox abzudichten. Die Wellplatten haben den großen Vorteil dass wenig Solenebel austritt, aber trotzdem ausreichend Luftaustausch stattfindet. Man kann die Pferde mit gutem Gewissen 30 oder 45 Minuten inhalieren lassen, ohne dass es „stickig“ wird. Alternativ können die Wände auch mit PVC Lamellen abgedichtet werden, diese waren in unseren Fall aber schwieriger anzubringen und teurer.

Solebox
Solebox
Hustenpferde Offenstall Solebox

Damit der Solenebel von dem Solegerät in die Box strömen kann, wurde ein Wanddurchbruch geschaffen, durch den eine Wanddurchführung gesteckt wurde, auf die der Schlauch des Solegeräts ganz einfach außen aufgesteckt wird. Praktischerweise befindet sich in der Solebox an der vorderen Wand ein Futtertrog und eine Tränke, sodass die Wanddurchführung direkt oberhalb des Futtertroges installiert werden konnte. Die Pferde können während der Inhalation fressen und trinken und befinden sich gleichzeitig mit den Nüstern in unmittelbarer Nähe zur „Solequelle“.

Solebox Offenstall Hustenpferde
Solebox Offenstall Hustenpferde
Solebox Offenstall Hustenpferde

Auf Eintreu haben wir zunächst verzichtet, mussten aber relativ schnell feststellen, dass viele Pferde, vor allem bei erstmaliger Benutzung, aufgeregt sind und häufig äppeln. Ohne Einstreu ist das keine schöne Angelegenheit, da die Äppel / der Urin ggf. spritzen und Flüssigkeiten nicht gebunden werden. Zur Verbesserung haben wir daher einen relativ kleinen Bereich (ca. 1m2) in der Mitte der Solebox mit Spänen eingestreut, damit die Pferde dort reinpinkeln und draufäppeln können. Hat sich das Pferd jedoch zwei mal in der Box gedreht, sind die Späne überall verteilt und die Äppel gleich mit. Daher sind wir dazu übergegangen die gesamte Box großzügig mit einer Mischung aus Holzpellets und Spänen einzustreuen und die Box nicht nach jeder Benutzung komplett auszuleeren sondern lediglich gründlich zu misten und das Einstreu mich Plocher (Rotteförderer) zu behandeln.

Eine regelmäßige Desinfektion ist mit Hilfe von Flächendesinfektion oder einem Desinfektionsgerät (bei unserem Gerät konnte man das mit dazu kaufen) möglich. So bleibt die Luft während der Behandlung besser und es ist totzdem sauber.

Nutzung und Zeitaufwand

Das Vorbereiten der Solebox benötigt nur wenige Minuten. Das Gerät muss zur Box transportiert werden (bei uns ist das mit Hilfe eines Rollwagens ein Kinderspiel) und dort ggf. mit destilliertem Wasser aufgefüllt und angeschaltet werden. Der Zeitaufwand hierfür beläuft sich im Normalfall auf 3 – 5 Minuten. Es empfiehlt sich die Solekammer ca. 15 Minuten bevor man das Pferd hineinstellen möchte anzuschalten, damit sich ein Großteil der Box bereits mit Solenebel füllen kann. Anschließend kann man das Pferd für 30 oder 45 Minuten hineinstellen. Bei den ersten Einheiten lohnt es sich dabei zu bleiben, später, wenn das Pferd entspannter ist, kann man sie darin auch alleine lassen. Wenn sich zwei Pferde oder Ponys gut verstehen spricht auch nichts dagegen, sie zusammen in die Solekammer zu stellen.


Nach dem Beenden der Inhalierzeit muss die Solebox ausgemistet und desinfiziert und ordentlich hinterlassen werden. Durch die Späne und die Tatsache dass sich die Pferde dort in der Regel maximal eine Stunde aufhalten, braucht es hierfür nicht länger als 10 Minuten. Alles in Allem ist also ein Zeitaufwand von ca. 60 Minuten für eine „Soleeinheit“ realistisch. Es wird im empfohlen die
Pferde im Anschluss ausführlich zu bewegen, damit das gelöste Material aus der Lunge heraus transportiert werden kann und sie am Ende bodennah zu füttern.

Solebox Offenstall Hustenpferde
Solebox Offenstall Hustenpferde
Alles hat einen Haken ...

Was wir beim Bau des Rollwagens für das Solegerät nicht bedacht haben ist Folgendes: Befindet sich das Gerät, dass den Solenebel produziert, unterhalb des Wanddruchbruchs, läuft das sich bildende Kondenzwasser zurück und sammelt sich im Schlauch sodass der Solenebel nicht mehr in die Solebox strömen kann. Dementsprechend müssen wir ca. alle 45 Minuten den Schlauch (Verbindung zwischen Solegrät und Wanddruchbruch) kurz abziehen und das Wasser herauslaufen lassen. Nicht dramatisch und nur dann relevant, wenn mehrere Pferde direkt nacheinander die Solebox nutzen, aber es muss bedacht werden. Praktischer wäre es, das Gerät oberhalb des Wanddruchbruchs zu positionieren, sodass das Kondenzwasser in die Box hinein und nicht in den Schlauch fließt.

Fazit

Insgesamt sind wir mit unserer Solebox sehr zufrieden. Unsere Tinkerstute kann seitdem wieder im Schulunterricht laufen und auch die Einstellerpferde (nicht nur aus der Allergikergruppe) profitieren davon uns nutzen es für akute Situationen aber auch prophylaktisch.

Bau einer Solebox

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

Veröffentlicht am 7.1.2021 von Katharina Graf und Kathelijne Brand

Nach unseren Erfahrungen der letzten Jahre häufen sich die Pferde, die mit Atemwegsproblemen kämpfen. Um gezielt diesen Pferden helfen zu können, entschieden wir uns nach ausführlicher Beratung mit einer Atemwegsspezialistin neben anderen Änderungen im Offenstall (Artikel folgt) für den Bau einer Solebox.

Weil überdachte Fläche bei uns auf dem Pferdehof Glau knapp ist, war unsere ursprüngliche Idee, einen alten Pferdeanhänger entsprechend aufzuarbeiten und umzubauen, um diesen als Solekammer nutzen zu können. Hier gab es jedoch einige Gründe die dagegen sprachen:

  • Es wäre viel Arbeit und Zeit gewesen unseren zur Verfügung stehenden Pferdehänger umzubauen
  • Um den Soleanhänger zu nutzen, muss er jedes Mal an ein Auto angehängt werden. Bockt man ihn dauerhaft auf, verliert er seine Flexibilität
  • Es braucht einen geeigneten, sicheren Platz für den Hänger (und das Auto), um das darin stehende Pferd dauerhaft beaufsichtigen zu können
  • Viele Pferde gehen nicht (gerne) auf einen Pferdehänger oder stehen dort nicht entspannt über einen längeren Zeitraum
  • Das Anbringen des Solegeräts wäre nur außerhalb des Hängers sinnvoll möglich, bräuchte dann aber einen geeigneten Witterungs- und Diebstahlschutz

Die Idee einen Pferdehänger zur Solebox umzubauen wurde daher verworfen. Wir entschieden uns dazu, die erste unserer alten, ohnehin nur im Notfall genutzten, Pferdeboxen zur Solebox umzubauen. Hier waren die Voraussetzungen deutlich besser:

  • 2 der 4 Seiten sind durch die Wände schon „dicht“, sodass kein Solenebel austreten kann
  • Die anderen beiden Seiten ließen sich ganz einfach durch das Anbringen von PVC Wellplatten an den Boxengittern abdichten
  • Die Box befindet sich sehr zentral im Kernbereich des Betriebs, sodass man das inhalierende Pferd sehr gut überwachen kann
  • Das Solegerät kann witterungsgeschützt in der Stallgasse stehen
  • Ein Stromanschluss für das Inhalationsgerät ist direkt gegenüber der Box vorhanden
Der Umbau der Solebox

Zunächst wurde die Box gründlich ausgekärchert und sauber gemacht. Im Anschluss wurde der untere Bereich der Boxenwände bis auf eine Höhe von ca. 1.30 m mit allergikergeeineter, abwaschbarer Sockelfarbe (orange) gestrichen, die das Desinfizieren und Sauberhalten der Box erleichtert.


Die PVC Wellplatten wurden an die Gitterstäbe der Boxen und auch an der Schiebetür angebracht, um den restlichen Teil der Solebox abzudichten. Die Wellplatten haben den großen Vorteil dass wenig Solenebel austritt, aber trotzdem ausreichend Luftaustausch stattfindet. Man kann die Pferde mit gutem Gewissen 30 oder 45 Minuten inhalieren lassen, ohne dass es „stickig“ wird. Alternativ können die Wände auch mit PVC Lamellen abgedichtet werden, diese waren in unseren Fall aber schwieriger anzubringen und teurer.

Solebox
Solebox
Hustenpferde Offenstall Solebox

Damit der Solenebel von dem Solegerät in die Box strömen kann, wurde ein Wanddurchbruch geschaffen, durch den eine Wanddurchführung gesteckt wurde, auf die der Schlauch des Solegeräts ganz einfach außen aufgesteckt wird. Praktischerweise befindet sich in der Solebox an der vorderen Wand ein Futtertrog und eine Tränke, sodass die Wanddurchführung direkt oberhalb des Futtertroges installiert werden konnte. Die Pferde können während der Inhalation fressen und trinken und befinden sich gleichzeitig mit den Nüstern in unmittelbarer Nähe zur „Solequelle“.

Solebox Offenstall Hustenpferde
Solebox Offenstall Hustenpferde
Solebox Offenstall Hustenpferde

Auf Eintreu haben wir zunächst verzichtet, mussten aber relativ schnell feststellen, dass viele Pferde, vor allem bei erstmaliger Benutzung, aufgeregt sind und häufig äppeln. Ohne Einstreu ist das keine schöne Angelegenheit, da die Äppel / der Urin ggf. spritzen und Flüssigkeiten nicht gebunden werden. Zur Verbesserung haben wir daher einen relativ kleinen Bereich (ca. 1m2) in der Mitte der Solebox mit Spänen eingestreut, damit die Pferde dort reinpinkeln und draufäppeln können. Hat sich das Pferd jedoch zwei mal in der Box gedreht, sind die Späne überall verteilt und die Äppel gleich mit. Daher sind wir dazu übergegangen die gesamte Box großzügig mit einer Mischung aus Holzpellets und Spänen einzustreuen und die Box nicht nach jeder Benutzung komplett auszuleeren sondern lediglich gründlich zu misten und das Einstreu mich Plocher (Rotteförderer) zu behandeln.

Eine regelmäßige Desinfektion ist mit Hilfe von Flächendesinfektion oder einem Desinfektionsgerät (bei unserem Gerät konnte man das mit dazu kaufen) möglich. So bleibt die Luft während der Behandlung besser und es ist totzdem sauber.

Nutzung und Zeitaufwand

Das Vorbereiten der Solebox benötigt nur wenige Minuten. Das Gerät muss zur Box transportiert werden (bei uns ist das mit Hilfe eines Rollwagens ein Kinderspiel) und dort ggf. mit destilliertem Wasser aufgefüllt und angeschaltet werden. Der Zeitaufwand hierfür beläuft sich im Normalfall auf 3 – 5 Minuten. Es empfiehlt sich die Solekammer ca. 15 Minuten bevor man das Pferd hineinstellen möchte anzuschalten, damit sich ein Großteil der Box bereits mit Solenebel füllen kann. Anschließend kann man das Pferd für 30 oder 45 Minuten hineinstellen. Bei den ersten Einheiten lohnt es sich dabei zu bleiben, später, wenn das Pferd entspannter ist, kann man sie darin auch alleine lassen. Wenn sich zwei Pferde oder Ponys gut verstehen spricht auch nichts dagegen, sie zusammen in die Solekammer zu stellen.


Nach dem Beenden der Inhalierzeit muss die Solebox ausgemistet und desinfiziert und ordentlich hinterlassen werden. Durch die Späne und die Tatsache dass sich die Pferde dort in der Regel maximal eine Stunde aufhalten, braucht es hierfür nicht länger als 10 Minuten. Alles in Allem ist also ein Zeitaufwand von ca. 60 Minuten für eine „Soleeinheit“ realistisch. Es wird im empfohlen die
Pferde im Anschluss ausführlich zu bewegen, damit das gelöste Material aus der Lunge heraus transportiert werden kann und sie am Ende bodennah zu füttern.

Solebox Offenstall Hustenpferde
Solebox Offenstall Hustenpferde
Alles hat einen Haken ...

Was wir beim Bau des Rollwagens für das Solegerät nicht bedacht haben ist Folgendes: Befindet sich das Gerät, dass den Solenebel produziert, unterhalb des Wanddruchbruchs, läuft das sich bildende Kondenzwasser zurück und sammelt sich im Schlauch sodass der Solenebel nicht mehr in die Solebox strömen kann. Dementsprechend müssen wir ca. alle 45 Minuten den Schlauch (Verbindung zwischen Solegrät und Wanddruchbruch) kurz abziehen und das Wasser herauslaufen lassen. Nicht dramatisch und nur dann relevant, wenn mehrere Pferde direkt nacheinander die Solebox nutzen, aber es muss bedacht werden. Praktischer wäre es, das Gerät oberhalb des Wanddruchbruchs zu positionieren, sodass das Kondenzwasser in die Box hinein und nicht in den Schlauch fließt.

Fazit

Insgesamt sind wir mit unserer Solebox sehr zufrieden. Unsere Tinkerstute kann seitdem wieder im Schulunterricht laufen und auch die Einstellerpferde (nicht nur aus der Allergikergruppe) profitieren davon uns nutzen es für akute Situationen aber auch prophylaktisch.