Offenstallwissen

Offenstallwissen

​Wie die Art der Heufütterung das Herdenverhalten beeinflusst ...

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

​Veröffentlicht am ​​​​​1​9.​​​1​1.201​​​​​5

Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wie sich das Verhalten einer Herde ändern kann. Ich möchte hier als Beispiel unsere Wallachgruppe vorstellen.


Dieser Offenstall war ursprünglich als reiner Aktivstall gebaut worden. 14 Pferde hatten zwei Doppel-Heudosierer und eine automatische Kraftfutterstation. Die ersten Jahre waren wir gut damit zufrieden. Nachdem wir dann jedoch den ersten Paddock Trail mit 24h Heufütterung gebaut hatten, fiel uns immer mehr auf, dass die Pferden bei dieser Form der Aktivstall-Fütterung doch ganz schön unter Stress standen.

Heufütterung Herdenverhalten

Die rangniederen Pferde mussten an den Stationen häufig lange anstehen. Zudem frassen dann oftmals notgedrungen Pferde nebeneinander, die sich nicht mochten. Bezüglich der Bedienung war es bei diesen Heudosierern der alten Bauart immer ein Problem, dass das Heu nicht von alleine nachrutschte. Es musste mehrmals am Tag per Hand hingeschoben werden und trotzdem gab es Zeiten, an denen die Pferde nicht heran kamen. Ein weiteres Problem speziell bei uns waren die vielen Gewitter. Trotz aller möglichen Blitzschutzvorkehrungen hatten wir mindestens einmal im Jahr einen Totalschaden bei den Platinen wegen Überspannung.


Im Nachhinein betrachtet gab es jedoch auch einige Vorteile. Die Pferde haben viel gespielt. Es gab ja immer Zeiten, in denen sie keinen Futteranspruch hatten. Zudem wurde der Liegebereich gern und viel genutzt. Sowohl tagsüber als auch nachts sah man viele Pferde dort liegen.

Heufütterung Herdenverhalten

Erste Veränderung

Da uns der Stress bei den Rangniederen zu hoch wurde, haben wir im ersten Schritt eine Heuraufe mit engmaschigen Netz zusätzlich im Bereich der Heudosierer aufgestellt. Dieses entspannte die Fress-Situation sichtbar. Es hatte jedoch den Nachteil, dass die Ranghohen nun ausschließlich an der Raufe standen. Da Tränke und Unterstand nicht weit entfernt liegen, bewegten sich die Pferde nur noch sehr wenig. Der Liegebereich wurde weiterhin gut genutzt.

Heufütterung Herdenverhalten

Zweite Veränderung

Da die ranghohen (und eher dicken) Pferde in dieser Gruppe nun ohnehin schon 24h Heuzugang hatten, haben wir dann im nächsten Schritt die Heudosierer verkauft und für alle Pferde die Raufenfütterung eingeführt. Damit sich die Pferde mehr bewegen sollten, wurde ein zusätzlicher Trail eingerichtet und an dessen Ende vier Raufen aufgestellt (im Foto noch 3, jetzt 4).

Heufütterung Herdenverhalten

​Die Pferde haben nun einen gemeinsamen Fressplatz und einen weiten Weg zum Wasser. Das Heufressen verläuft sehr entspannt. Auch die rangneideren Pferde können jederzeit entspannt an einen Fressplatz gelangen. Man sieht, dass die Pferde das gemeinsame Fressen genießen.

Heufütterung Herdenverhalten
Heufütterung Herdenverhalten

Aber die neue Einteilung hat leider auch unerwünschte Nebenwirkungen. Der Lebensmittelpunkt der Herde ist nun im Bereich der Raufen. Man sieht sie dort die meiste Zeit gemeinsam stehen. Einige Pferde legen sich auch in diesem Umkreis hin. Der Unterstand wird dagegen deutlich weniger aufgesucht, was nun vor allem in den nassen Monaten sehr wahrscheinlich zu kürzeren Liegezeiten führt. (Wir haben dazu keine Messungen oder Kamera-Beobachtungen durchgeführt. Es ist „nur“ der persönliche Eindruck.)


Was kann man tun?

Diese Frage beschäftigt uns aktuell, zumal wir dieses Problem auch noch in 1-2 anderen Gruppen haben. Bisher sind uns folgende mögliche Änderungen eingefallen:


Eine Verteilung der Raufen auf dem hinteren Trail. Wenn es nicht mehr den einen großen Fressplatz gibt, dann würde vermutlich wieder etwas mehr Bewegung in die Herde kommen. Ob sie deshalb auch öfters in den Unterstand gehen, ist natürlich fraglich. Zudem wäre der Aufwand nicht gerade gering, da man außer der Raufen auch die Bodenbefestigung mit umlegen müsste.


Eine Möglichkeit, die Raufen zu schließen. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von den zeitgesteuerten Raufen, bei denen die Pferde jede Stunde 10 min fressen dürfen. Man könnte solche Raufen jedoch auch so anwenden, dass sie nur zu den üblichen Hauptschlafzeiten geschlossen werden. Die Pferde hätten dann zum Beispiel mittags von 11.00 bis 14.00 Uhr und nachts von 23.00 – 3.00 Uhr keine Heufressmöglichkeit. Dieses könnte dazu führen, dass die Herde den geliebten Fressplatz verlässt und sich nach Schlafmöglichkeiten umsieht. Leider wäre dieser Versuch sehr kostenintensiv.


Eine Aufwertung des Liegebereichs. Diese Offenstallgruppe hat einen relativ großen überdachten Liegebereich. Für aktuell 15 Pferden stehen 360 m² zur Verfügung. Der Boden ist auf der einen Seite mit (renovierungsbedürftigen) Softbetten belegt und auf der anderen Seite gibt es einen Kompostbereich. (Wir wollen seit einigen Wochen bereits die Liegeflächen erneuern. Leider hat die Kompostieranlage momentan Lieferschwierigkeiten.) Man könnte nun versuchen, in die Mitte eine Strohraufe zu plazieren und rechts und links davon einen großzügigen Kompostbereich. Eigentlich möchte man natürlich kein Futter im Liegebereich. Aber vielleicht ist es der bessere Kompromiss, wenn die Pferde durch das Stroh wieder mehr in diesen Bereich hineingezogen werden. Zudem könnte die Raufe als Raumteiler dienen. Und selbst, wenn an der Raufe vorwiegend die Ranghohen stehen sollten, könnten die Rangniederen die Zeit dann zum Schlafen nutzen. Diese Variante ist einfach umzusetzen und wird vermutlich demnächst erfolgen.


Soweit zu den theoretischen Überlegungen. Sobald es praktische Umsetzungen und Erfahrungen gibt, werde ich berichten ….

​Wie die Art der Heufütterung das Herdenverhalten beeinflusst ...

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

​Veröffentlicht am ​​​​​1​9.​​​1​1.201​​​​​5

Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wie sich das Verhalten einer Herde ändern kann. Ich möchte hier als Beispiel unsere Wallachgruppe vorstellen.


Dieser Offenstall war ursprünglich als reiner Aktivstall gebaut worden. 14 Pferde hatten zwei Doppel-Heudosierer und eine automatische Kraftfutterstation. Die ersten Jahre waren wir gut damit zufrieden. Nachdem wir dann jedoch den ersten Paddock Trail mit 24h Heufütterung gebaut hatten, fiel uns immer mehr auf, dass die Pferden bei dieser Form der Aktivstall-Fütterung doch ganz schön unter Stress standen.

Heufütterung Herdenverhalten

Die rangniederen Pferde mussten an den Stationen häufig lange anstehen. Zudem frassen dann oftmals notgedrungen Pferde nebeneinander, die sich nicht mochten. Bezüglich der Bedienung war es bei diesen Heudosierern der alten Bauart immer ein Problem, dass das Heu nicht von alleine nachrutschte. Es musste mehrmals am Tag per Hand hingeschoben werden und trotzdem gab es Zeiten, an denen die Pferde nicht heran kamen. Ein weiteres Problem speziell bei uns waren die vielen Gewitter. Trotz aller möglichen Blitzschutzvorkehrungen hatten wir mindestens einmal im Jahr einen Totalschaden bei den Platinen wegen Überspannung.


Im Nachhinein betrachtet gab es jedoch auch einige Vorteile. Die Pferde haben viel gespielt. Es gab ja immer Zeiten, in denen sie keinen Futteranspruch hatten. Zudem wurde der Liegebereich gern und viel genutzt. Sowohl tagsüber als auch nachts sah man viele Pferde dort liegen.

Heufütterung Herdenverhalten

Erste Veränderung

Da uns der Stress bei den Rangniederen zu hoch wurde, haben wir im ersten Schritt eine Heuraufe mit engmaschigen Netz zusätzlich im Bereich der Heudosierer aufgestellt. Dieses entspannte die Fress-Situation sichtbar. Es hatte jedoch den Nachteil, dass die Ranghohen nun ausschließlich an der Raufe standen. Da Tränke und Unterstand nicht weit entfernt liegen, bewegten sich die Pferde nur noch sehr wenig. Der Liegebereich wurde weiterhin gut genutzt.

Heufütterung Herdenverhalten

Zweite Veränderung

Da die ranghohen (und eher dicken) Pferde in dieser Gruppe nun ohnehin schon 24h Heuzugang hatten, haben wir dann im nächsten Schritt die Heudosierer verkauft und für alle Pferde die Raufenfütterung eingeführt. Damit sich die Pferde mehr bewegen sollten, wurde ein zusätzlicher Trail eingerichtet und an dessen Ende vier Raufen aufgestellt (im Foto noch 3, jetzt 4).

Heufütterung Herdenverhalten

​Die Pferde haben nun einen gemeinsamen Fressplatz und einen weiten Weg zum Wasser. Das Heufressen verläuft sehr entspannt. Auch die rangneideren Pferde können jederzeit entspannt an einen Fressplatz gelangen. Man sieht, dass die Pferde das gemeinsame Fressen genießen.

Heufütterung Herdenverhalten
Heufütterung Herdenverhalten

Aber die neue Einteilung hat leider auch unerwünschte Nebenwirkungen. Der Lebensmittelpunkt der Herde ist nun im Bereich der Raufen. Man sieht sie dort die meiste Zeit gemeinsam stehen. Einige Pferde legen sich auch in diesem Umkreis hin. Der Unterstand wird dagegen deutlich weniger aufgesucht, was nun vor allem in den nassen Monaten sehr wahrscheinlich zu kürzeren Liegezeiten führt. (Wir haben dazu keine Messungen oder Kamera-Beobachtungen durchgeführt. Es ist „nur“ der persönliche Eindruck.)


Was kann man tun?

Diese Frage beschäftigt uns aktuell, zumal wir dieses Problem auch noch in 1-2 anderen Gruppen haben. Bisher sind uns folgende mögliche Änderungen eingefallen:


Eine Verteilung der Raufen auf dem hinteren Trail. Wenn es nicht mehr den einen großen Fressplatz gibt, dann würde vermutlich wieder etwas mehr Bewegung in die Herde kommen. Ob sie deshalb auch öfters in den Unterstand gehen, ist natürlich fraglich. Zudem wäre der Aufwand nicht gerade gering, da man außer der Raufen auch die Bodenbefestigung mit umlegen müsste.


Eine Möglichkeit, die Raufen zu schließen. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von den zeitgesteuerten Raufen, bei denen die Pferde jede Stunde 10 min fressen dürfen. Man könnte solche Raufen jedoch auch so anwenden, dass sie nur zu den üblichen Hauptschlafzeiten geschlossen werden. Die Pferde hätten dann zum Beispiel mittags von 11.00 bis 14.00 Uhr und nachts von 23.00 – 3.00 Uhr keine Heufressmöglichkeit. Dieses könnte dazu führen, dass die Herde den geliebten Fressplatz verlässt und sich nach Schlafmöglichkeiten umsieht. Leider wäre dieser Versuch sehr kostenintensiv.


Eine Aufwertung des Liegebereichs. Diese Offenstallgruppe hat einen relativ großen überdachten Liegebereich. Für aktuell 15 Pferden stehen 360 m² zur Verfügung. Der Boden ist auf der einen Seite mit (renovierungsbedürftigen) Softbetten belegt und auf der anderen Seite gibt es einen Kompostbereich. (Wir wollen seit einigen Wochen bereits die Liegeflächen erneuern. Leider hat die Kompostieranlage momentan Lieferschwierigkeiten.) Man könnte nun versuchen, in die Mitte eine Strohraufe zu plazieren und rechts und links davon einen großzügigen Kompostbereich. Eigentlich möchte man natürlich kein Futter im Liegebereich. Aber vielleicht ist es der bessere Kompromiss, wenn die Pferde durch das Stroh wieder mehr in diesen Bereich hineingezogen werden. Zudem könnte die Raufe als Raumteiler dienen. Und selbst, wenn an der Raufe vorwiegend die Ranghohen stehen sollten, könnten die Rangniederen die Zeit dann zum Schlafen nutzen. Diese Variante ist einfach umzusetzen und wird vermutlich demnächst erfolgen.


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Dr. Tanja Romanazzi

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