Offenstallwissen

Offenstallwissen

​Warum hört mein Pferd nicht auf zu fressen?

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

​Veröffentlicht am ​​​2​​7.​​​12.201​​​​4

​Pferde sind Dauerfresser. Das ist vielen bekannt. Aber dennoch gibt es viele Pferde, die es irgendwie übertreiben, die wirklich dauernd Dauerfressen. Was ist noch normal? Woran liegt es? Was kann man dagegen tun?

Heu ad libitum ohne Fresspause

Foto: Anne Schmidt / Stefan Köhler

Pferde haben verglichen zu ihrer Größe einen sehr kleinen Magen, er fasst nur ca. 15 Liter. Daher frisst das Pferd kontinuierlich kleine Mengen, das Futter bleibt nur 2-3 Stunden im Magen und wird dann an den Darm weitergegeben, wo die weitere Verdauung stattfindet.  Kommt kein Futter nach, so verlangsamt sich die Weitergabe. Gibt es Fresspausen von mehr als 4 Stunden (macht das Pferd von sich aus nur in Ausnahmesituationen), so kommt es zu unnatürlich langen Verweilzeiten des Futters im Magen, der Futterbrei ist dann zu stark angesäuert und es gibt verschiedene Verdauungsprobleme (Pferde fit füttern, Dr. Christina Fritz).


Es ist also ein normales und gesundes Verhalten, wenn das Pferd höchstens 4 Stunden Fresspause macht. Dieses gilt übrigens auch für die Nacht. (Pferde, die in Späneboxen stehen und abends die letzte kleine Heumahlzeit bekommen, haben echte Probleme!) Kleinere Fresspausen sind jedoch gesund und sollten bei den Pferden zu beobachten sein. Camargue-Pferde verbringen ca. 60 Prozent ihrer Tageszeit mit Fressen, das bedeutet auch, dass sie 40% = 9,6 Stunden nicht fressen. In dieser Zeit wird geschlafen, gedöst, sich beknabbert, gespielt, im Schritt gegangen und auch mal gerannt.


Woran liegt es nun, wenn unsere „Hauspferde“ scheinbar nur noch fressen (wenn das Angebot von 24h Heu da ist)?


Das erste, was mir einfällt, ist ein Mineralstoffmangel. Viele von uns kennen bei sich selbst den Heißhunger auf Süßes oder Fettiges, welcher oft in einer kleinen Fressorgie endet. Wenn man dann jedoch bewusst darauf achtet, dass die Mineralstoffversorgung stimmt und dass man wertvolle Fettsäuren aufnimmt, dann verschwinden solche Hungerattacken vollständig (für einen Eigenversuch empfehle ich Algentabletten + Chiasamen + ausreichend stilles Wasser). Ich kann mir daher gut vorstellen, dass auch bei Pferden eine ungenügende Mineralstoffversorgung eine große Rolle spielen kann. Diese sollte daher sorgsam betrachtet werden. Wenn man an der Stelle unsicher ist, empfiehlt sich eine unabhängige Futterberatung (wie z.B. bei Constanze Röhm).


Das Füttern ist jedoch nur die eine Seite der Medaille, die Aufnahme und die Verwertung des Futters im Pferdekörper ist die andere Seite. Wenn also die Zufütterung stimmt, und dass Pferd trotzdem den ganzen Tag nicht vom Heu aufsieht, dann könnte eine Stoffwechselstörung vorliegen. Hier ist die Bandbreite leider inzwischen riesengroß. Das kann eine verschobene Darmflora sein, Schäden in den Schleimhäuten von Magen und Darm, Störungen in der Zuckerverarbeitung (Insulinresistenz, EMS & Co) und vieles mehr. Meist gibt es bei den Pferden einige weitere Symptome, die darauf hindeuten („unpassende“ Fettpolster, Wassereinlagerungen, stumpfes Fell, Hautprobleme, fehlende Leistungsbereitschaft uvm.). Hier gilt es dann mit einem erfahrenen Therapeuten der Sache auf den Grund zu gehen und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen.


Mineralstoffversorgung stimmt, das Pferd wirkt vollkommen gesund und trotzdem wird zuviel gefressen? Nach meiner Beobachtung gibt es auch mehrere Gründe, die in der Gestaltung eines Offenstalls liegen und/oder in der Herdenzusammensetzung.


Wir haben zum Beispiel eine Offenstallgruppe, bei der die 24h Heufütterung sehr gut funktioniert und zwei Gruppen, bei denen zuviel gefressen wird. Die Mineralstoffversorgung ist bei allen gleich ist und es ist unwahrscheinlich, dass die einen alle einen gestörten Stoffwechsel haben und die anderen alle gesund sind.

Bei der Gestaltung des Offenstalls ist es aus meiner Sicht sehr günstig, wenn der Fressbereich möglichst weit entfernt liegt von den anderen attraktiven Bereichen, wie Unterstand, Tränke, Liege- und Spielflächen. Die Pferde müssen sich erst einmal möglichst viel bewegen, um zum Fressen zu kommen und sie gehen nur zum Futter zurück, wenn dann auch wieder ein Fressbedürfnis vorliegt. Dieses Verhalten wird noch dadurch unterstützt, wenn nicht alles gut zu übersehen ist, sondern wenn zum Beispiel eine Hecke die Sicht teilweise versperrt. Die meisten Pferde sind neugierig und wollen zudem alles im Blick haben. Dieses ist ein weiterer Anreiz, um alle Stellen öfters abzulaufen.

Dauerfressen Heu ad libitum

Weitere Ursachen für „dauerndes Dauerfressen“ kann in der Herdenzusammensetzung liegen. Auch bei Pferden beobachtet man „Verlegenheitsfressen“ oder auch „Stressfressen“. Wenn es also keine harmonische Herde ist, dann fehlen oft die positiven Sozialkontakte, wie Spielen, Beknabbern, gemeinsames Dösen. Stattdessen wird gefressen und dadurch ein minimales Gemeinschaftsgefühl erlebt. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man also versuchen eine harmonische Herdenstruktur zu bekommen.

Dauerfressen Heu ad libitum

Sehr gut funktionieren meist reine Wallachgruppen. Keiner muss irgendwen beschützen. Es gibt daher wenig aggressives Verhalten, dafür viel Spielerei (die auch positiv vom Fressen abhält :-)


Reine Stutengruppen habe ich nicht gern. Sie kommen in der Natur nicht vor und man beobachtet oft (vor allem, wenn auch auf den Nachbarflächen keine Wallache sind), dass den Stuten der Beschützer fehlt. Es gibt mehr zickiges Verhalten, kürzere Schlafzeiten und eventuell mehr Stressfressen. Bei gemischten Gruppen ist es günstig, wenn man einen funktionierenden Chef hat (einen Wallach, der von den Stuten anerkannt wird und der trotzdem nicht zu hengstig ist) und ansonsten nur Wallache, die sich deutlich unterordnen.

Positiv finde ich es, wenn ältere und jüngere Pferde zusammen stehen. Die jungen Pferde müssen somit keine Chefrolle übernehmen (das ist oft eine Überforderung), fühlen sich sicher und können viel von den Älteren lernen. Die Alten werden auf der anderen Seite „frisch gehalten“ und verfallen nicht nur in lähmende und fressende Trägheit.


Update 2018: Nachdem wird uns die letzten Jahre intensiv mit diesem Thema beschäftigt haben, sind wir nun der Ansicht, dass der wichtigste Aspekt beim "dauernden Dauerfressen" der Zuckergehalt im Heu ist. Wenn die Pferde zuckerarmes Pferdeheu bekommen (Zuckergehalt < 8%), fressen sie von sich aus viel weniger und machen mehr Fresspausen. Muss man jedoch ​unnatürlich zuckerreiches "Kuhheu" füttern, genau dann beobachtet man das "übertriebene Dauerfressen", beim dem die Pferde dann auch sehr schnell verfetten und Stoffwechselstörungen bekommen. Die oben angesprochenen Punkte kommen hinzu, stehen jedoch "nur" an zweiter Stelle.


​Wenn man also das Problem hat, dass die Pferde zu dick werden und kaum noch Fresspausen einlegen, dann sollte man als erstes die Heuqualität untersuchen lassen.

​Warum hört mein Pferd nicht auf zu fressen?

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

​Veröffentlicht am ​​​2​​7.​​​12.201​​​​4

​Pferde sind Dauerfresser. Das ist vielen bekannt. Aber dennoch gibt es viele Pferde, die es irgendwie übertreiben, die wirklich dauernd Dauerfressen. Was ist noch normal? Woran liegt es? Was kann man dagegen tun?

Heu ad libitum ohne Fresspause

Foto: Anne Schmidt / Stefan Köhler

Pferde haben verglichen zu ihrer Größe einen sehr kleinen Magen, er fasst nur ca. 15 Liter. Daher frisst das Pferd kontinuierlich kleine Mengen, das Futter bleibt nur 2-3 Stunden im Magen und wird dann an den Darm weitergegeben, wo die weitere Verdauung stattfindet.  Kommt kein Futter nach, so verlangsamt sich die Weitergabe. Gibt es Fresspausen von mehr als 4 Stunden (macht das Pferd von sich aus nur in Ausnahmesituationen), so kommt es zu unnatürlich langen Verweilzeiten des Futters im Magen, der Futterbrei ist dann zu stark angesäuert und es gibt verschiedene Verdauungsprobleme (Pferde fit füttern, Dr. Christina Fritz).


Es ist also ein normales und gesundes Verhalten, wenn das Pferd höchstens 4 Stunden Fresspause macht. Dieses gilt übrigens auch für die Nacht. (Pferde, die in Späneboxen stehen und abends die letzte kleine Heumahlzeit bekommen, haben echte Probleme!) Kleinere Fresspausen sind jedoch gesund und sollten bei den Pferden zu beobachten sein. Camargue-Pferde verbringen ca. 60 Prozent ihrer Tageszeit mit Fressen, das bedeutet auch, dass sie 40% = 9,6 Stunden nicht fressen. In dieser Zeit wird geschlafen, gedöst, sich beknabbert, gespielt, im Schritt gegangen und auch mal gerannt.


Woran liegt es nun, wenn unsere „Hauspferde“ scheinbar nur noch fressen (wenn das Angebot von 24h Heu da ist)?


Das erste, was mir einfällt, ist ein Mineralstoffmangel. Viele von uns kennen bei sich selbst den Heißhunger auf Süßes oder Fettiges, welcher oft in einer kleinen Fressorgie endet. Wenn man dann jedoch bewusst darauf achtet, dass die Mineralstoffversorgung stimmt und dass man wertvolle Fettsäuren aufnimmt, dann verschwinden solche Hungerattacken vollständig (für einen Eigenversuch empfehle ich Algentabletten + Chiasamen + ausreichend stilles Wasser). Ich kann mir daher gut vorstellen, dass auch bei Pferden eine ungenügende Mineralstoffversorgung eine große Rolle spielen kann. Diese sollte daher sorgsam betrachtet werden. Wenn man an der Stelle unsicher ist, empfiehlt sich eine unabhängige Futterberatung (wie z.B. bei Constanze Röhm).


Das Füttern ist jedoch nur die eine Seite der Medaille, die Aufnahme und die Verwertung des Futters im Pferdekörper ist die andere Seite. Wenn also die Zufütterung stimmt, und dass Pferd trotzdem den ganzen Tag nicht vom Heu aufsieht, dann könnte eine Stoffwechselstörung vorliegen. Hier ist die Bandbreite leider inzwischen riesengroß. Das kann eine verschobene Darmflora sein, Schäden in den Schleimhäuten von Magen und Darm, Störungen in der Zuckerverarbeitung (Insulinresistenz, EMS & Co) und vieles mehr. Meist gibt es bei den Pferden einige weitere Symptome, die darauf hindeuten („unpassende“ Fettpolster, Wassereinlagerungen, stumpfes Fell, Hautprobleme, fehlende Leistungsbereitschaft uvm.). Hier gilt es dann mit einem erfahrenen Therapeuten der Sache auf den Grund zu gehen und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen.


Mineralstoffversorgung stimmt, das Pferd wirkt vollkommen gesund und trotzdem wird zuviel gefressen? Nach meiner Beobachtung gibt es auch mehrere Gründe, die in der Gestaltung eines Offenstalls liegen und/oder in der Herdenzusammensetzung.


Wir haben zum Beispiel eine Offenstallgruppe, bei der die 24h Heufütterung sehr gut funktioniert und zwei Gruppen, bei denen zuviel gefressen wird. Die Mineralstoffversorgung ist bei allen gleich ist und es ist unwahrscheinlich, dass die einen alle einen gestörten Stoffwechsel haben und die anderen alle gesund sind.

Bei der Gestaltung des Offenstalls ist es aus meiner Sicht sehr günstig, wenn der Fressbereich möglichst weit entfernt liegt von den anderen attraktiven Bereichen, wie Unterstand, Tränke, Liege- und Spielflächen. Die Pferde müssen sich erst einmal möglichst viel bewegen, um zum Fressen zu kommen und sie gehen nur zum Futter zurück, wenn dann auch wieder ein Fressbedürfnis vorliegt. Dieses Verhalten wird noch dadurch unterstützt, wenn nicht alles gut zu übersehen ist, sondern wenn zum Beispiel eine Hecke die Sicht teilweise versperrt. Die meisten Pferde sind neugierig und wollen zudem alles im Blick haben. Dieses ist ein weiterer Anreiz, um alle Stellen öfters abzulaufen.

Dauerfressen Heu ad libitum

Weitere Ursachen für „dauerndes Dauerfressen“ kann in der Herdenzusammensetzung liegen. Auch bei Pferden beobachtet man „Verlegenheitsfressen“ oder auch „Stressfressen“. Wenn es also keine harmonische Herde ist, dann fehlen oft die positiven Sozialkontakte, wie Spielen, Beknabbern, gemeinsames Dösen. Stattdessen wird gefressen und dadurch ein minimales Gemeinschaftsgefühl erlebt. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man also versuchen eine harmonische Herdenstruktur zu bekommen.

Dauerfressen Heu ad libitum

Sehr gut funktionieren meist reine Wallachgruppen. Keiner muss irgendwen beschützen. Es gibt daher wenig aggressives Verhalten, dafür viel Spielerei (die auch positiv vom Fressen abhält :-)


Reine Stutengruppen habe ich nicht gern. Sie kommen in der Natur nicht vor und man beobachtet oft (vor allem, wenn auch auf den Nachbarflächen keine Wallache sind), dass den Stuten der Beschützer fehlt. Es gibt mehr zickiges Verhalten, kürzere Schlafzeiten und eventuell mehr Stressfressen. Bei gemischten Gruppen ist es günstig, wenn man einen funktionierenden Chef hat (einen Wallach, der von den Stuten anerkannt wird und der trotzdem nicht zu hengstig ist) und ansonsten nur Wallache, die sich deutlich unterordnen.

Positiv finde ich es, wenn ältere und jüngere Pferde zusammen stehen. Die jungen Pferde müssen somit keine Chefrolle übernehmen (das ist oft eine Überforderung), fühlen sich sicher und können viel von den Älteren lernen. Die Alten werden auf der anderen Seite „frisch gehalten“ und verfallen nicht nur in lähmende und fressende Trägheit.


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Dr. Tanja Romanazzi

Wallrodaer Str. 13

01900 Großröhrsdorf

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