Offenstallwissen

Offenstallwissen

​​​Abnehmen trotz Heu ad libitum?

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

​Veröffentlicht am ​​​​7.​​​​2.201​​​​6

​​Auf Gut Heinrichshof haben wir 2011 unseren ersten Paddock Trail gebaut. Er beinhaltet 3 verteilt stehende Raufen, an denen die Pferd 24 Stunden Heu durch 4,5 cm Netze fressen können.

Heufuetterung im Offenstall

Wir waren erstaunt und begeistert, wie zufrieden und entspannt die Pferde mit dieser Form der Heufütterung sind, haben 2012 einen weiteren Paddock Trail gebaut und dann auch noch in zwei anderen Offenställen die Heufütterung entsprechend umgestellt.


Leider mussten wir jedoch auch feststellen, dass die Pferde immer dicker wurden. 2013 hatten wir einen Hufrehefall, 2014 zwei weitere, einige Pferde waren Richtung EMS (Equines Metabolisches Syndrom) unterwegs. Im Spätsommer 2014 war Dr. Hörügel vom Pferdegesundheitsdienst Sachsen bei uns. Er sagte, dass die Pferde unbedingt abnehmen sollten. ​Nachdem wir 5 größere Gruppen auf freies Heufressen umgestellt hatten, gab es leider keine einfache Lösung, diese Pferde zum abnehmen zu bringen. Eine portionierte Fütterung 2-3 mal täglich von über 50 Pferden war nicht praktikabel und wegen der Nachteile (lange Nüchternzeiten nachts, viel mehr Futterneid) auch nicht gewünscht.


Die Vorgehensweise

Die erste Notfallmassnahme war daher die Einführung von engeren Maschen (3 cm). Zeitgleich haben wir uns intensiver mit der Heuqualität beschäftigt und mit Schrecken festgestellt, dass wir Zuckergehalte zwischen 15-20% hatten. Jetzt war uns also die Ursache der Verfettung klarer und wir haben nach neuen Heulieferanten gesucht.


Das ist leider extrem schwierig. Wir benötigen über 1000 Großballen pro Jahr und allein der hygienische Zustand bezüglich Schimmelpilzgehalt ist jedes Jahr eine neue Herausforderung. Über Zuckergehalte ist in der Regel nichts bekannt, nur der Schnittzeitpunkt und der Rohfasergehalt sind mit zunehmender Verbreitung der Hochzuckergräser als Kriterien nicht mehr ausreichend. In dem folgenden Diagramm sieht man Rohfasergehalt (blaue Säulen nach Größe sortiert) und Zuckergehalt (rote Säulen). Der Bereich zwischen den grün gestrichelten Linien wird bezogen auf den Rohfasergehalt für Pferde empfohlen. Man sieht in diesem Bereich Schwankungen im Zuckergehalt zwischen 5,7% und 19,5% !

Zuckergehalt Heu

Wir haben im letzten Jahr über 2000,-€ für Heuanalysen ausgegeben und konnten schließlich zuckerärmeres Heu füttern, allerdings war das Heu von wechselnder Qualität.


Das Ergebnis

In dem letzten Jahr haben nach Augenmaß fast alle Pferde mehr oder weniger abgenommen. Die meisten sehen jetzt passend aus, ein paar wenige sind noch etwas dick, ein paar ältere Pferde sollten wieder etwas runder werden. Von unseren ca. 75 Pferden wurden 30 Pferde im Januar 2015 und im Januar 2016 gewogen.  Zwei Isländer und ein Fjordpferd haben leicht zugenommen, 5 Pferde haben ihr Gewicht gehalten oder unbedeutend abgenommen, 11 Pferde haben 10-30 kg abgenommen, 3 Pferde 30-55kg und 5 Pferde 70-80 kg, 1 Pferd (mit zusätzlichen gesundheitlichen Problemen) 134 kg. Bei 18 Warmblutpferden wurde der BCS (Body Condition Score) bestimmt. Dieser lag im Durchschnitt bei 5,2  (2 Pferde 4,8, 1 Pferd 6,0, alle anderen im optimalen Bereich zwischen 5 und 5.5).


Also eigentlich alles prima? Ja und nein.

Ja, weil die Pferde jetzt mit einzelnen Ausnahmen im passenden Futterzustand sind. Nein, da es in dem letzten Jahr auch negative Erfahrungen gab.


Sehr engmaschige Netze: nur Notlösung

Die sehr engmaschigen Netze (3cm bzw. 2,7 cm Innengröße der Maschen) führen dazu, dass die Pferde SEHR lange an den Heuraufen stehen. Von Wildpferden weiß man (Buch „Pferdeverhalten“ von Zeitler-Feicht), dass die Fresszeit zwischen 10 und 18 Stunden variiert und dieses unter anderem auch abhängig vom Futterangebot ist. Und genau das beobachtet man dann auch in den Offenställen. Die Fresszeit wird (zu) extrem verlängert. Den Pferden bleibt deutlich weniger Zeit für Schlafen, Spielen und Dösen. Einige wirken gestresst.


Ein zu später Schnitt führt zu schlechter Verdaulichkeit

Wir hatten Heusorten dabei, bei denen der Zuckergehalt niedrig war aufgrund eines sehr späten Schnittzeitpunktes. Die Gräser sind dann schon zu stark verholzt, der Eiweißgehalt ist ebenfalls niedrig und vor allem ältere Pferde können so ein Heu nicht mehr ausreichend verdauen. Dieses war genau die Zeit, in der einige ältere Pferde zu stark abgenommen haben.


Unzufriedenheit im Pensionsstall

Man beobachtet sehr deutlich, dass unabhängig vom Futterzustand des Pferdes bei den Einstellern das Abnehmen sehr viel kritischer betrachtet wird als das Zunehmen. Mit Abnehmen sind große Ängste verbunden, während Zunehmen meist nur als Schönheitsproblem wahrgenommen wird.


Unser Fazit für die Zukunft

  • Man benötigt zuckerarmes Heu, wobei das Heu aufgrund der Zusammensetzung der Gräser, der größeren Schnitthöhe, und eines etwas späteren Schnittzeitpunktes (ca. 2. Junihälfte) und einer angemessenen Düngung möglichst zuckerarm sein sollte (am besten nicht mehr als 6-8% Zucker). Ein zu später Schnitt ist zu vermeiden.
  • Sehr engmaschige Netze über fest gepresste Großballen (ist nicht zu vergleichen mit aufgehängten Heunetzen) sollten nur im Notfall zum Einsatz kommen.
  • Mit der passenden Heuqualität ist aus unserer Sicht für fast alle Pferde Heu ad libitum möglich. Es gibt jedoch auch Ausnahmen (bei uns 3 von 75 Pferden), bei denen es nur mit ausreichender Zusatzbewegung lösbar ist).

​​​Abnehmen trotz Heu ad libitum?

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

​Veröffentlicht am ​​​​7.​​​​2.201​​​​6

​​Auf Gut Heinrichshof haben wir 2011 unseren ersten Paddock Trail gebaut. Er beinhaltet 3 verteilt stehende Raufen, an denen die Pferd 24 Stunden Heu durch 4,5 cm Netze fressen können.

Heufuetterung im Offenstall

Wir waren erstaunt und begeistert, wie zufrieden und entspannt die Pferde mit dieser Form der Heufütterung sind, haben 2012 einen weiteren Paddock Trail gebaut und dann auch noch in zwei anderen Offenställen die Heufütterung entsprechend umgestellt.


Leider mussten wir jedoch auch feststellen, dass die Pferde immer dicker wurden. 2013 hatten wir einen Hufrehefall, 2014 zwei weitere, einige Pferde waren Richtung EMS (Equines Metabolisches Syndrom) unterwegs. Im Spätsommer 2014 war Dr. Hörügel vom Pferdegesundheitsdienst Sachsen bei uns. Er sagte, dass die Pferde unbedingt abnehmen sollten. ​Nachdem wir 5 größere Gruppen auf freies Heufressen umgestellt hatten, gab es leider keine einfache Lösung, diese Pferde zum abnehmen zu bringen. Eine portionierte Fütterung 2-3 mal täglich von über 50 Pferden war nicht praktikabel und wegen der Nachteile (lange Nüchternzeiten nachts, viel mehr Futterneid) auch nicht gewünscht.


Die Vorgehensweise

Die erste Notfallmassnahme war daher die Einführung von engeren Maschen (3 cm). Zeitgleich haben wir uns intensiver mit der Heuqualität beschäftigt und mit Schrecken festgestellt, dass wir Zuckergehalte zwischen 15-20% hatten. Jetzt war uns also die Ursache der Verfettung klarer und wir haben nach neuen Heulieferanten gesucht.


Das ist leider extrem schwierig. Wir benötigen über 1000 Großballen pro Jahr und allein der hygienische Zustand bezüglich Schimmelpilzgehalt ist jedes Jahr eine neue Herausforderung. Über Zuckergehalte ist in der Regel nichts bekannt, nur der Schnittzeitpunkt und der Rohfasergehalt sind mit zunehmender Verbreitung der Hochzuckergräser als Kriterien nicht mehr ausreichend. In dem folgenden Diagramm sieht man Rohfasergehalt (blaue Säulen nach Größe sortiert) und Zuckergehalt (rote Säulen). Der Bereich zwischen den grün gestrichelten Linien wird bezogen auf den Rohfasergehalt für Pferde empfohlen. Man sieht in diesem Bereich Schwankungen im Zuckergehalt zwischen 5,7% und 19,5% !

Zuckergehalt Heu

Wir haben im letzten Jahr über 2000,-€ für Heuanalysen ausgegeben und konnten schließlich zuckerärmeres Heu füttern, allerdings war das Heu von wechselnder Qualität.


Das Ergebnis

In dem letzten Jahr haben nach Augenmaß fast alle Pferde mehr oder weniger abgenommen. Die meisten sehen jetzt passend aus, ein paar wenige sind noch etwas dick, ein paar ältere Pferde sollten wieder etwas runder werden. Von unseren ca. 75 Pferden wurden 30 Pferde im Januar 2015 und im Januar 2016 gewogen.  Zwei Isländer und ein Fjordpferd haben leicht zugenommen, 5 Pferde haben ihr Gewicht gehalten oder unbedeutend abgenommen, 11 Pferde haben 10-30 kg abgenommen, 3 Pferde 30-55kg und 5 Pferde 70-80 kg, 1 Pferd (mit zusätzlichen gesundheitlichen Problemen) 134 kg. Bei 18 Warmblutpferden wurde der BCS (Body Condition Score) bestimmt. Dieser lag im Durchschnitt bei 5,2  (2 Pferde 4,8, 1 Pferd 6,0, alle anderen im optimalen Bereich zwischen 5 und 5.5).


Also eigentlich alles prima? Ja und nein.

Ja, weil die Pferde jetzt mit einzelnen Ausnahmen im passenden Futterzustand sind. Nein, da es in dem letzten Jahr auch negative Erfahrungen gab.


Sehr engmaschige Netze: nur Notlösung

Die sehr engmaschigen Netze (3cm bzw. 2,7 cm Innengröße der Maschen) führen dazu, dass die Pferde SEHR lange an den Heuraufen stehen. Von Wildpferden weiß man (Buch „Pferdeverhalten“ von Zeitler-Feicht), dass die Fresszeit zwischen 10 und 18 Stunden variiert und dieses unter anderem auch abhängig vom Futterangebot ist. Und genau das beobachtet man dann auch in den Offenställen. Die Fresszeit wird (zu) extrem verlängert. Den Pferden bleibt deutlich weniger Zeit für Schlafen, Spielen und Dösen. Einige wirken gestresst.


Ein zu später Schnitt führt zu schlechter Verdaulichkeit

Wir hatten Heusorten dabei, bei denen der Zuckergehalt niedrig war aufgrund eines sehr späten Schnittzeitpunktes. Die Gräser sind dann schon zu stark verholzt, der Eiweißgehalt ist ebenfalls niedrig und vor allem ältere Pferde können so ein Heu nicht mehr ausreichend verdauen. Dieses war genau die Zeit, in der einige ältere Pferde zu stark abgenommen haben.


Unzufriedenheit im Pensionsstall

Man beobachtet sehr deutlich, dass unabhängig vom Futterzustand des Pferdes bei den Einstellern das Abnehmen sehr viel kritischer betrachtet wird als das Zunehmen. Mit Abnehmen sind große Ängste verbunden, während Zunehmen meist nur als Schönheitsproblem wahrgenommen wird.


Unser Fazit für die Zukunft

  • Man benötigt zuckerarmes Heu, wobei das Heu aufgrund der Zusammensetzung der Gräser, der größeren Schnitthöhe, und eines etwas späteren Schnittzeitpunktes (ca. 2. Junihälfte) und einer angemessenen Düngung möglichst zuckerarm sein sollte (am besten nicht mehr als 6-8% Zucker). Ein zu später Schnitt ist zu vermeiden.
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Kontakt

Dr. Tanja Romanazzi

Wallrodaer Str. 13

01900 Großröhrsdorf

​T. 035952 28098

F. 035952 28096

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