Offenstallwissen

Offenstallwissen

​Wie bekommt man zuckerarmes Pferdeheu?

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

​Veröffentlicht am ​​​2​​6.​​​2.201​​​​​5

Diese Frage beschäftigt uns die letzten Wochen. Nach unserem Heuversuch mit 10 anderen Offenställen haben wir das Heu von unseren bisherigen Lieferanten auch untersuchen lassen (Probe H und S). Die Ergebnisse waren wie auch schon im letzten Jahr leider sehr erschreckend. Der Gesamtzuckeranteil liegt bei 19,3% und 21,7%. Wenn man also davon ausgeht, dass die Pferde 15 kg Heu bekommen (oft ist es bei den ad libitum Gruppen sogar mehr), dann fressen die Pferde am Tag 3 kg Zucker. Da ist es kein Wunder, wenn es zu Verfettungen und Stoffwechselstörungen kommt.


Daraufhin haben wir uns mal wieder auf die Suche nach neuen Lieferanten gemacht, Proben eingesammelt (Kr, Ka, N, G, B1 und B2) und ins Labor geschickt. Und dieses sind die Ergebnisse (einschließlich der bisherigen Lieferanten):

Zuckerarmes Heu Pferdeheu

Wir sind also erst einmal glücklich, den Lieferanten B gefunden zu haben. 1 und 2 bezeichnet bei ihm 1. und 2. Schnitt. Bei ihm liegt der Gesamtzuckeranteil in etwa nur bei der Hälfte verglichen mit unserem bisherigem Heu.

Es lohnt sich also zu suchen und die Kosten für die Analysen auszugeben. Man sollte bei den Untersuchungsaufträgen ​darauf achten, das die Untersuchung auf den Fruktangehalt meistens extra beauftragt werden muss. Das ist in der Regel nicht in der normalen Futteranalyse enthalten. ​


Wie entstehen so verschiedene Zuckerwerte?

Es stellt sich natürlich die Frage, wie die unterschiedlichen Zuckeranteile zustande kommen. Es gibt viele Studien zum Fruktangehalt im Gras und den verschiedenen Einflußfaktoren. Eine gute Zusammenfassung findet man im ersten Teil der Dissertation von Frau Dahlhoff. Interessanterweise gibt es auch viele sich widersprechende Experimente, was darauf hindeutet, dass die Zusammenhänge nicht soooo einfach sind. Ich habe jedoch keine Arbeiten zu den Einflussfaktoren bezüglich des Restzuckers gefunden.


Relativ einig ist man sich über folgende Zusammenhänge:

Die verschiedenen Gräserarten unterscheiden sich deutlich in ihrer Fähigkeit zur Zucker- und Fruktanbildung. Weidelgräser bilden deutlich mehr Zucker als zum Beispiel Knaulgras oder Wiesenfuchsschwanz. Das wundert auch nicht, da insbesondere die Weidelgräser speziell auf hohe Zuckerwerte gezüchtet wurden. (Es gibt in der Saatforschung dazu den Begriff der Hochzuckergräser (HZG)). Also: je mehr Weidelgräser, desto höher sind meistens die Zuckerwerte.


Die Wetterlage spielt bei der Zuckerbildung ebenfalls eine größere Rolle. Wenn die Temperaturen nachts zu stark absinken, kann die Pflanze den Zucker nicht mehr zum Wachsen nutzen und lagert ihn vermehrt ein. Zu den üblichen Heuerntezeiten sollte dieses jedoch keine Rolle spielen, da es sowohl beim ersten also auch beim zweiten Schnitt in der Regel ausreichend warm ist. Negativ könnte sich lediglich eine stärkere Trockenheit auswirken, da die Gräser auch dann nicht wachsen können. Nur für den Zuckergehalt wäre zudem bedecktes Wetter besser (geringere Photosynthesleistung der Gräser) und auch mal ein Schauer Regen (Fruktane sind wasserlöslich). Aber dann bekommt man leider kein ausreichend trockenes Heu :-). Ich glaube also nicht, dass die Wetterlage für die großen Unterschiede der Zuckergehalte verantwortlich ist.


Düngung. Hier gibt es verschiedene Untersuchungen und verschiedene Ansichten. Meistens findet man die Ausführung, dass eine etwas stärkere Düngung zu einem niedrigerem Zuckergehalt führt. Mit dem Düngen fördert man das Wachstum der Gräser und daher wird dann weniger Zucker eingelagert. Ich glaube jedoch, dass dieses etwas kurzfristg gedacht ist. Auf der anderen Seite fördert man mit der Düngung aus meiner Sicht vor allem die (unerwünschten) zuckerreichen Gräser, so dass diese sich dann immer mehr durchsetzen. Zudem vermindert die übliche Düngung die Bodenlebewesen und macht die Böden „lebloser“. Nach meinem Gefühl kann das nicht der richtige Weg sein ….


Eine weitere interessante Einflussgröße ist der Schnittzeitpunkt. Damit meine ich nicht den ersten oder zweiten Schnitt, sondern die Tageszeit des Schneidens. Die Pflanze bildet Zucker während der Photosynthese. So weit wie ich es verstanden habe, passiert dieses nur unter Sonneneinstrahlung. Auch der zweite Teil der Photosynthese, die sogenannte Dunkelreaktion, findet nur tagsüber statt (Lehrstuhl für Grünlandlehre, TU München). Den Zucker in Wachstum umsetzen kann die Pflanze jedoch Tag und Nacht und daher müsste der Zuckergehalt morgens niedriger sein als abends. Dieses wird auch beim Fruktan experimentell bestätigt. Unsere beiden bisherigen Heulieferanten (übrigens beide schon immer Rinderhalter) schneiden das Gras späten Nachmittag oder Abend. Ich könnte mir also gut vorstellen, dass es für Pferdeheu vorteilhaft sein könnte, morgens zu schneiden. Wir werden dieses Jahr mit einen Lieferanten einen Teil morgens und einen Teil abends schneiden und dann die Ergebnisse untersuchen lassen. Ich bin schon sehr gespannt :-).

​Wie bekommt man zuckerarmes Pferdeheu?

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​Veröffentlicht am ​​​2​​6.​​​2.201​​​​​5

Diese Frage beschäftigt uns die letzten Wochen. Nach unserem Heuversuch mit 10 anderen Offenställen haben wir das Heu von unseren bisherigen Lieferanten auch untersuchen lassen (Probe H und S). Die Ergebnisse waren wie auch schon im letzten Jahr leider sehr erschreckend. Der Gesamtzuckeranteil liegt bei 19,3% und 21,7%. Wenn man also davon ausgeht, dass die Pferde 15 kg Heu bekommen (oft ist es bei den ad libitum Gruppen sogar mehr), dann fressen die Pferde am Tag 3 kg Zucker. Da ist es kein Wunder, wenn es zu Verfettungen und Stoffwechselstörungen kommt.


Daraufhin haben wir uns mal wieder auf die Suche nach neuen Lieferanten gemacht, Proben eingesammelt (Kr, Ka, N, G, B1 und B2) und ins Labor geschickt. Und dieses sind die Ergebnisse (einschließlich der bisherigen Lieferanten):

Zuckerarmes Heu Pferdeheu

Wir sind also erst einmal glücklich, den Lieferanten B gefunden zu haben. 1 und 2 bezeichnet bei ihm 1. und 2. Schnitt. Bei ihm liegt der Gesamtzuckeranteil in etwa nur bei der Hälfte verglichen mit unserem bisherigem Heu.

Es lohnt sich also zu suchen und die Kosten für die Analysen auszugeben. Man sollte bei den Untersuchungsaufträgen ​darauf achten, das die Untersuchung auf den Fruktangehalt meistens extra beauftragt werden muss. Das ist in der Regel nicht in der normalen Futteranalyse enthalten. ​


Wie entstehen so verschiedene Zuckerwerte?

Es stellt sich natürlich die Frage, wie die unterschiedlichen Zuckeranteile zustande kommen. Es gibt viele Studien zum Fruktangehalt im Gras und den verschiedenen Einflußfaktoren. Eine gute Zusammenfassung findet man im ersten Teil der Dissertation von Frau Dahlhoff. Interessanterweise gibt es auch viele sich widersprechende Experimente, was darauf hindeutet, dass die Zusammenhänge nicht soooo einfach sind. Ich habe jedoch keine Arbeiten zu den Einflussfaktoren bezüglich des Restzuckers gefunden.


Relativ einig ist man sich über folgende Zusammenhänge:

Die verschiedenen Gräserarten unterscheiden sich deutlich in ihrer Fähigkeit zur Zucker- und Fruktanbildung. Weidelgräser bilden deutlich mehr Zucker als zum Beispiel Knaulgras oder Wiesenfuchsschwanz. Das wundert auch nicht, da insbesondere die Weidelgräser speziell auf hohe Zuckerwerte gezüchtet wurden. (Es gibt in der Saatforschung dazu den Begriff der Hochzuckergräser (HZG)). Also: je mehr Weidelgräser, desto höher sind meistens die Zuckerwerte.


Die Wetterlage spielt bei der Zuckerbildung ebenfalls eine größere Rolle. Wenn die Temperaturen nachts zu stark absinken, kann die Pflanze den Zucker nicht mehr zum Wachsen nutzen und lagert ihn vermehrt ein. Zu den üblichen Heuerntezeiten sollte dieses jedoch keine Rolle spielen, da es sowohl beim ersten also auch beim zweiten Schnitt in der Regel ausreichend warm ist. Negativ könnte sich lediglich eine stärkere Trockenheit auswirken, da die Gräser auch dann nicht wachsen können. Nur für den Zuckergehalt wäre zudem bedecktes Wetter besser (geringere Photosynthesleistung der Gräser) und auch mal ein Schauer Regen (Fruktane sind wasserlöslich). Aber dann bekommt man leider kein ausreichend trockenes Heu :-). Ich glaube also nicht, dass die Wetterlage für die großen Unterschiede der Zuckergehalte verantwortlich ist.


Düngung. Hier gibt es verschiedene Untersuchungen und verschiedene Ansichten. Meistens findet man die Ausführung, dass eine etwas stärkere Düngung zu einem niedrigerem Zuckergehalt führt. Mit dem Düngen fördert man das Wachstum der Gräser und daher wird dann weniger Zucker eingelagert. Ich glaube jedoch, dass dieses etwas kurzfristg gedacht ist. Auf der anderen Seite fördert man mit der Düngung aus meiner Sicht vor allem die (unerwünschten) zuckerreichen Gräser, so dass diese sich dann immer mehr durchsetzen. Zudem vermindert die übliche Düngung die Bodenlebewesen und macht die Böden „lebloser“. Nach meinem Gefühl kann das nicht der richtige Weg sein ….


Eine weitere interessante Einflussgröße ist der Schnittzeitpunkt. Damit meine ich nicht den ersten oder zweiten Schnitt, sondern die Tageszeit des Schneidens. Die Pflanze bildet Zucker während der Photosynthese. So weit wie ich es verstanden habe, passiert dieses nur unter Sonneneinstrahlung. Auch der zweite Teil der Photosynthese, die sogenannte Dunkelreaktion, findet nur tagsüber statt (Lehrstuhl für Grünlandlehre, TU München). Den Zucker in Wachstum umsetzen kann die Pflanze jedoch Tag und Nacht und daher müsste der Zuckergehalt morgens niedriger sein als abends. Dieses wird auch beim Fruktan experimentell bestätigt. Unsere beiden bisherigen Heulieferanten (übrigens beide schon immer Rinderhalter) schneiden das Gras späten Nachmittag oder Abend. Ich könnte mir also gut vorstellen, dass es für Pferdeheu vorteilhaft sein könnte, morgens zu schneiden. Wir werden dieses Jahr mit einen Lieferanten einen Teil morgens und einen Teil abends schneiden und dann die Ergebnisse untersuchen lassen. Ich bin schon sehr gespannt :-).

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Dr. Tanja Romanazzi

Wallrodaer Str. 13

01900 Großröhrsdorf

​T. 035952 28098

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