Offenstallwissen

Offenstallwissen

​​​​​Pferdemist wirtschaftlich nutzen (Teil ​2)

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

​Veröffentlicht am ​​​​​20.​​2.201​​​​7

​​Nachdem wir im Teil 1 verschiedene Möglichkeiten betrachtet haben, möchte ich mich in diesem Artikel mit der Mist-Kompostierung beschäftigen.

Kompostierung

Bei der Kompostierung wird organisches Material (in diesem Fall Pferdemist) mit Hilfe von Bodenlebewesen umgewandelt bzw. zunächst abgebaut und dann im nächsten Schritt (welcher auch auf Weiden oder Äcker stattfinden kann) zu Humus aufgebaut. Die Verwendung von Kompost als Dünger wirkt dem Humusschwund entgegen und verbessert die Lebendigkeit des Bodens, die Fruchtbarkeit und auch die Wasseraufnahmefähigkeit.

Damit die Kompostierung (auch Rotte genannt) optimal abläuft und die „richtigen“ Mikroben da drin arbeiten, wird Sauerstoff benötigt. Die Komposthaufen dürfen daher nicht zu hoch geschichtet werden (max. 1,5m). Vorteilhaft ist zudem gröberes Astwerk auf dem Untergrund, um auch von unten eine Durchströmung mit Luft zu ermöglichen.


Ein zweiter Aspekt ist der Feuchtigkeitsgehalt. Im feuchten Komposthaufen können sich die Mikroben schneller verteilen und arbeiten somit schneller. Wird es jedoch zu nass, dann gibt es nicht mehr genügend Luftporen und die Umsetzung kommt zum erliegen bzw. wird von „unerwünschten“ Mikroben weitergeführt (Fäulnis). Man sollte daher für einen guten Wasserabfluss sorgen und bei lang anhaltendem sehr trockenem Wetter den Kompost mit Wasser besprühen.


Bei der Kompostierung entstehen zu Beginn Temperaturen zwischen 50 und 70 °C (Heißrotte). Diese tragen zur Hygienisierung des Kompostes bei. Hinzu kommt noch, dass während der Kompostierung antibiotische Stoffe gebildet werden. Es gibt Versuche, bei denen verschiedene Krankheitserreger in Komposthaufen eingebracht wurden. Nach dem Kompostiervorgang konnten diese nicht mehr nachgewiesen werden. Ebenso gibt es Versuche zur Parasitenbelastung. Auch hier konnte man bereits nach 2 Monaten nach Ablauf der korrekten Heißrotte nichts mehr nachweisen.


Der komplett vollständige Kompostierprozess ohne irgendwelche Beschleuniger dauert bei Pferdemist 1-2 Jahre (bis es zu Erde wird), wobei man bereits nach 6-7 Monaten ein Material erhält, welches man als Dünger verwenden kann, auch auf Pferdeweiden. Wegen der möglichen Parasitenbelastung im Mist sind jedoch die erreichten Temperaturen während der Heißrotte-Phase besonders wichtig. Diese werden im Winterhalbjahr vor allem in kleineren Haufen nicht zuverlässig erreicht (es gibt Kompostthermometer zur Kontrolle). Es ist also eher ungünstig, die Kompostierung bei zu kalten Temperaturen zu beginnen.

Rotte-Beschleunigung

Wenn man die Kompostierung von Pferdemist wirtschaftlich betrachtet, dann hat man das Ziel, in möglichst geringer Zeit mit wenig Aufwand ein optimales Ergebnis zu bekommen. Um die Stoffumsetzung beim Kompostieren zu beschleunigen und zu optimieren gibt es verschiedene Möglichkeiten:


Umsetzen oder Durchmischung der Haufen: Jede Umsetzung bringt Sauerstoff in das Material und fördert somit den Kompostierprozess. Leider ist das sehr arbeitsaufwendig, außer man hat entsprechende maschinelle Unterstützung (Kompost-Umsetzer etc.).


BioAktiv oder Plocher: Dieses sind quasi homöopathische Mittel für den Kompost. Es ist also ein Trägermaterial mit Informationen und eben vor allem der Information „Sauerstoff“. Wir haben es im letzten Jahr mit BioAktiv ausprobiert und waren überrascht über die Wirkung. Es gab eine deutliche Erwärmung (wir haben keine Messungen gemacht, ein subjektiver Eindruck) und der Mist zersetzte sich schneller. Nach 4 Monaten sah es bereits so gut aus, dass wir es auf die Weiden aufbringen konnten.

BioAktiv Pferdemist Offenstall

Urgesteinsmehl:  Durch den Zusatz von Urgesteinsmehlen bringt man mehr Spurenelemente in den Kompost, was ebenfalls den Kompostiervorgang beschleunigen soll. Zudem unterstützt man die Humus-Bildung im zweiten Schritt. Wir haben es vor ein paar Wochen erstmalig eingesetzt.  Beim Umsetzen unseres Misthaufens haben wir  BioAktiv zusammen mit Steinmehl zugefügt.


Kompostwürmer: Um die Umsetzung des Pferdemistes zu beschleunigen, kann man Kompostwürmer zusetzen. Diese kann man käuflich erwerben. Die Würmer haben besonders im zweiten Schritt bei dem Humusaufbau ihre Aufgabe. Mich hat das bisher nicht so überzeugt, da nach meiner Erfahrung die Würmer auch von alleine kommen.


Algenkalk: Auf vielen Seiten wird Algenkalk als Zusatz empfohlen, weil es ebenfalls Spurenelemente in den Kompost bringen soll. Davon halte ich nicht so viel. Die Menge an Spurenelementen ist viel kleiner, als es klingt (deutlich weniger als bei Urgesteinsmehlen) und zudem ist der Abbau des Algenkalks ökologisch ähnlich kritisch zu sehen, wie die Torfgewinnung aus Moor. Die Kalkbänke entstehen nur seeeeehr langsam und sind wertvolle Lebensräume.


Zwangsbelüftung von unten: diese Systeme kennt man eigentlich nur von den großen Kompostieranlagen. Mittels Rohren wird der Kompost von unten belüftet. In Amerika gibt es jedoch eine Fima, o2-compost, welche diese Systeme speziell für Pferdehalter (auch für die „Kleinen“) auf den Markt gebracht hat. Vorteil: man muss den Kompost nicht umsetzen und hat einen garantiert optimalen Kompostierprozess. Das Ergebnis ist entsprechend positiv: optimaler Kompost bereits nach 2-3 Monaten. Ich finde dieses System sehr interessant, weil es Arbeit und Zeit spart. Leider benötigt es jedoch erst einmal eine gewisse Investitionssumme.


Im nächsten Artikel (Teil 3) geht es dann um das „Mist-Bokashi“ (Fermentierung des Pferdemistes mit effektiven Mikroorganismen) und im letzten Teil 4 um die vielen rechtlichen Bestimmungen zur Lagerung und zum möglichen Verkauf.

​​​​​Pferdemist wirtschaftlich nutzen (Teil ​2)

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​Veröffentlicht am ​​​​​20.​​2.201​​​​7

​​Nachdem wir im Teil 1 verschiedene Möglichkeiten betrachtet haben, möchte ich mich in diesem Artikel mit der Mist-Kompostierung beschäftigen.

Kompostierung

Bei der Kompostierung wird organisches Material (in diesem Fall Pferdemist) mit Hilfe von Bodenlebewesen umgewandelt bzw. zunächst abgebaut und dann im nächsten Schritt (welcher auch auf Weiden oder Äcker stattfinden kann) zu Humus aufgebaut. Die Verwendung von Kompost als Dünger wirkt dem Humusschwund entgegen und verbessert die Lebendigkeit des Bodens, die Fruchtbarkeit und auch die Wasseraufnahmefähigkeit.

Damit die Kompostierung (auch Rotte genannt) optimal abläuft und die „richtigen“ Mikroben da drin arbeiten, wird Sauerstoff benötigt. Die Komposthaufen dürfen daher nicht zu hoch geschichtet werden (max. 1,5m). Vorteilhaft ist zudem gröberes Astwerk auf dem Untergrund, um auch von unten eine Durchströmung mit Luft zu ermöglichen.


Ein zweiter Aspekt ist der Feuchtigkeitsgehalt. Im feuchten Komposthaufen können sich die Mikroben schneller verteilen und arbeiten somit schneller. Wird es jedoch zu nass, dann gibt es nicht mehr genügend Luftporen und die Umsetzung kommt zum erliegen bzw. wird von „unerwünschten“ Mikroben weitergeführt (Fäulnis). Man sollte daher für einen guten Wasserabfluss sorgen und bei lang anhaltendem sehr trockenem Wetter den Kompost mit Wasser besprühen.


Bei der Kompostierung entstehen zu Beginn Temperaturen zwischen 50 und 70 °C (Heißrotte). Diese tragen zur Hygienisierung des Kompostes bei. Hinzu kommt noch, dass während der Kompostierung antibiotische Stoffe gebildet werden. Es gibt Versuche, bei denen verschiedene Krankheitserreger in Komposthaufen eingebracht wurden. Nach dem Kompostiervorgang konnten diese nicht mehr nachgewiesen werden. Ebenso gibt es Versuche zur Parasitenbelastung. Auch hier konnte man bereits nach 2 Monaten nach Ablauf der korrekten Heißrotte nichts mehr nachweisen.


Der komplett vollständige Kompostierprozess ohne irgendwelche Beschleuniger dauert bei Pferdemist 1-2 Jahre (bis es zu Erde wird), wobei man bereits nach 6-7 Monaten ein Material erhält, welches man als Dünger verwenden kann, auch auf Pferdeweiden. Wegen der möglichen Parasitenbelastung im Mist sind jedoch die erreichten Temperaturen während der Heißrotte-Phase besonders wichtig. Diese werden im Winterhalbjahr vor allem in kleineren Haufen nicht zuverlässig erreicht (es gibt Kompostthermometer zur Kontrolle). Es ist also eher ungünstig, die Kompostierung bei zu kalten Temperaturen zu beginnen.

Rotte-Beschleunigung

Wenn man die Kompostierung von Pferdemist wirtschaftlich betrachtet, dann hat man das Ziel, in möglichst geringer Zeit mit wenig Aufwand ein optimales Ergebnis zu bekommen. Um die Stoffumsetzung beim Kompostieren zu beschleunigen und zu optimieren gibt es verschiedene Möglichkeiten:


Umsetzen oder Durchmischung der Haufen: Jede Umsetzung bringt Sauerstoff in das Material und fördert somit den Kompostierprozess. Leider ist das sehr arbeitsaufwendig, außer man hat entsprechende maschinelle Unterstützung (Kompost-Umsetzer etc.).


BioAktiv oder Plocher: Dieses sind quasi homöopathische Mittel für den Kompost. Es ist also ein Trägermaterial mit Informationen und eben vor allem der Information „Sauerstoff“. Wir haben es im letzten Jahr mit BioAktiv ausprobiert und waren überrascht über die Wirkung. Es gab eine deutliche Erwärmung (wir haben keine Messungen gemacht, ein subjektiver Eindruck) und der Mist zersetzte sich schneller. Nach 4 Monaten sah es bereits so gut aus, dass wir es auf die Weiden aufbringen konnten.

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Urgesteinsmehl:  Durch den Zusatz von Urgesteinsmehlen bringt man mehr Spurenelemente in den Kompost, was ebenfalls den Kompostiervorgang beschleunigen soll. Zudem unterstützt man die Humus-Bildung im zweiten Schritt. Wir haben es vor ein paar Wochen erstmalig eingesetzt.  Beim Umsetzen unseres Misthaufens haben wir  BioAktiv zusammen mit Steinmehl zugefügt.


Kompostwürmer: Um die Umsetzung des Pferdemistes zu beschleunigen, kann man Kompostwürmer zusetzen. Diese kann man käuflich erwerben. Die Würmer haben besonders im zweiten Schritt bei dem Humusaufbau ihre Aufgabe. Mich hat das bisher nicht so überzeugt, da nach meiner Erfahrung die Würmer auch von alleine kommen.


Algenkalk: Auf vielen Seiten wird Algenkalk als Zusatz empfohlen, weil es ebenfalls Spurenelemente in den Kompost bringen soll. Davon halte ich nicht so viel. Die Menge an Spurenelementen ist viel kleiner, als es klingt (deutlich weniger als bei Urgesteinsmehlen) und zudem ist der Abbau des Algenkalks ökologisch ähnlich kritisch zu sehen, wie die Torfgewinnung aus Moor. Die Kalkbänke entstehen nur seeeeehr langsam und sind wertvolle Lebensräume.


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Dr. Tanja Romanazzi

Wallrodaer Str. 13

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