Offenstallwissen

Offenstallwissen

​​​​​​Fressen Pferde lieber zuckerreiches Heu?

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

​Veröffentlicht am ​​​2​​1.​​​4.201​​​​​5

Eine Studie aus den USA von Kathryn Watts (Rocky Mtn Research & Consulting, 2011)

Heu ad libitum Offenstall

Viele Pferdebesitzer sind der Ansicht, dass Pferde lieber zuckerreiches Heu fressen. Wenn man dazu Literatur wälzt, findet man sich widersprechende Ergebnisse.


In einem Versuch 2003 wurden zwei Heusorten vom gleichen Feld geerntet, welche sich nur in dem Schnittzeitpunkt unterschieden. Die eine Hälfte wurde am Vormittag geschnitten, die andere 12 Stunden später am Abend. Das Abendheu hatte einen höheren Zuckergehalt und wurde von den Pferden bevorzugt (MacKay 2003).


In einem anderen Versuch wurde einer Herde von Jährlingen drei Heusorten von verschiedenen Gräsern /Leguminosen gereicht (Luzerne, Bromegrass, Bermuda). Diese jungen Pferde bevorzugten die Luzerne, obwohl es den niedrigsten Zuckergehalt hatte (LaCasha et al. 1999) (Anmerkung von mir: Jährlinge haben einen hohen Eiweißbedarf und Luzerne ist bekannt für einen hohen Eiweißgehalt. Vielleicht gibt es eher damit einen Zusammenhang (?)).


Ein ähnliches Ergebnis erhielten Forscher aus Australien, die verschiedene Sorten von Hafer- und Alfalfaheu (Luzerne) an Pferden testeten (Pain & Revell 2011). Auch hier wurden die zuckerärmeren Sorten zuerst gefressen.


Bei dem Experiment in den USA ist man folgendermaßen vorgegangen:

Man hat 13 Pferde (Warmblüter, Quarter Horses und Ponys) von zwei verschiedenen Reitanlagen ausgewählt. Die zwei Herkunftsorte waren deshalb wichtig, um auszuschließen, dass die Gewöhnung an eine bestimmte Heusorte eine größere Rolle spielt. Diesen Pferde hat man einzeln freilaufend 6 verschiedene Heusorten angeboten. Diese Heusorten lagen in gleich aussehenden Schüsseln, wobei die Schüsseln in einer Reihe standen. In jeder Schüssel waren 6 Unzen Heu (entspricht 170g). Die Pferde hatten 15 min Zeit, danach wurden die Schüsseln eingesammelt und die Heureste gewogen. Die 15 min wurden jeweils per Video aufgezeichnet.


Folgende Heusorten (alle hygienisch einwandfrei) wurden angeboten:

1. Heimische Gräsermischung mit Wiesenrispengras, Fuchsschwanz, Höhenlage, bekannt für kaltes Klima, blasses Grün, wenig Geruch, Gesamtzuckergehalt 17,7 %

2. Mischung aus Schwingelgräsern, Knaulgras und 20% Klee, 3. Schnitt im Herbst, aromatischer Geruch, grüne Farbe, Gesamtzuckergehalt 13,9 %

3. Moskitogras (heimisches Präriegras), lagerte schon 2 Jahre in der Scheune, blasses Grün, kein Geruch, Gesamtzuckergehalt 9,1 %

4. Mischung aus Schwingelgräsern, Knaulgras und 5% Klee, 1. Schnitt vom Juni, angenehmer Geruch, grüne Farbe, Gesamtzuckergehalt 10,7 %

5. Die gleiche Wiese wie unter 4. mit wenig Klee, 2. Schnitt im August nach wolkigem Wetter. In die Schwaden hat es einmal hinein geregnet, dann jedoch gut getrocknet, ca. 10% braune Blätter, kein Geruch, Gesamtzuckergehalt 9,1 %

6. Die gleiche Wiese wie unter 4. mit ca. 10% Klee, 3. Schnitt, gut getrocknet ohne Regen, aromatischer Geruch, Gesamtzuckergehalt 11,1 %


Ergebnisse

  • Die meisten Pferde haben am Heu geschnuppert, sind an einigen Schüsseln vorbei gegangen, haben an anderen probiert. Wenn eine Heusorte schmeckte, wurde sie komplett aufgefressen bevor das Pferd dann erst zur nächsten Schüssel ging.
  • 11 Pferde haben Heuprobe 2 als erstes gewählt und komplett aufgefressen, ein Pferd Heuprobe 1 und ein Pferd Heuprobe 6.
  • Nur 4 Pferde haben Heuprobe 1 (mit dem höchsten Zuckergehalt) aufgefressen.
  • Die Pferde bevorzugten das weichere Heu mit geringerem Anteil an Rohfasern


Interpretation der Wissenschaftler

Der Zuckergehalt ist bei der Heuauswahl nicht das entscheidende Kriterium. Die erste Auswahl scheint mit dem Geruch zusammen zu hängen. Die Heusorten, die den angenehmsten Geruch hatten, wurden von den Pferden als erstes probiert. Nachdem sie ein Maulvoll genommen haben, scheint die Textur im Maul eine Rolle zu spielen. Weicheres Heu mit geringem Rohfaseranteil wurde dann am besten gefressen. Es gab keinen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Herden. Die Gewöhnung an bestimmte Heusorten scheint daher keine große Rolle zu spielen.

​​​​​​Fressen Pferde lieber zuckerreiches Heu?

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​Veröffentlicht am ​​​2​​1.​​​4.201​​​​​5

Eine Studie aus den USA von Kathryn Watts (Rocky Mtn Research & Consulting, 2011)

Heu ad libitum Offenstall

Viele Pferdebesitzer sind der Ansicht, dass Pferde lieber zuckerreiches Heu fressen. Wenn man dazu Literatur wälzt, findet man sich widersprechende Ergebnisse.


In einem Versuch 2003 wurden zwei Heusorten vom gleichen Feld geerntet, welche sich nur in dem Schnittzeitpunkt unterschieden. Die eine Hälfte wurde am Vormittag geschnitten, die andere 12 Stunden später am Abend. Das Abendheu hatte einen höheren Zuckergehalt und wurde von den Pferden bevorzugt (MacKay 2003).


In einem anderen Versuch wurde einer Herde von Jährlingen drei Heusorten von verschiedenen Gräsern /Leguminosen gereicht (Luzerne, Bromegrass, Bermuda). Diese jungen Pferde bevorzugten die Luzerne, obwohl es den niedrigsten Zuckergehalt hatte (LaCasha et al. 1999) (Anmerkung von mir: Jährlinge haben einen hohen Eiweißbedarf und Luzerne ist bekannt für einen hohen Eiweißgehalt. Vielleicht gibt es eher damit einen Zusammenhang (?)).


Ein ähnliches Ergebnis erhielten Forscher aus Australien, die verschiedene Sorten von Hafer- und Alfalfaheu (Luzerne) an Pferden testeten (Pain & Revell 2011). Auch hier wurden die zuckerärmeren Sorten zuerst gefressen.


Bei dem Experiment in den USA ist man folgendermaßen vorgegangen:

Man hat 13 Pferde (Warmblüter, Quarter Horses und Ponys) von zwei verschiedenen Reitanlagen ausgewählt. Die zwei Herkunftsorte waren deshalb wichtig, um auszuschließen, dass die Gewöhnung an eine bestimmte Heusorte eine größere Rolle spielt. Diesen Pferde hat man einzeln freilaufend 6 verschiedene Heusorten angeboten. Diese Heusorten lagen in gleich aussehenden Schüsseln, wobei die Schüsseln in einer Reihe standen. In jeder Schüssel waren 6 Unzen Heu (entspricht 170g). Die Pferde hatten 15 min Zeit, danach wurden die Schüsseln eingesammelt und die Heureste gewogen. Die 15 min wurden jeweils per Video aufgezeichnet.


Folgende Heusorten (alle hygienisch einwandfrei) wurden angeboten:

1. Heimische Gräsermischung mit Wiesenrispengras, Fuchsschwanz, Höhenlage, bekannt für kaltes Klima, blasses Grün, wenig Geruch, Gesamtzuckergehalt 17,7 %

2. Mischung aus Schwingelgräsern, Knaulgras und 20% Klee, 3. Schnitt im Herbst, aromatischer Geruch, grüne Farbe, Gesamtzuckergehalt 13,9 %

3. Moskitogras (heimisches Präriegras), lagerte schon 2 Jahre in der Scheune, blasses Grün, kein Geruch, Gesamtzuckergehalt 9,1 %

4. Mischung aus Schwingelgräsern, Knaulgras und 5% Klee, 1. Schnitt vom Juni, angenehmer Geruch, grüne Farbe, Gesamtzuckergehalt 10,7 %

5. Die gleiche Wiese wie unter 4. mit wenig Klee, 2. Schnitt im August nach wolkigem Wetter. In die Schwaden hat es einmal hinein geregnet, dann jedoch gut getrocknet, ca. 10% braune Blätter, kein Geruch, Gesamtzuckergehalt 9,1 %

6. Die gleiche Wiese wie unter 4. mit ca. 10% Klee, 3. Schnitt, gut getrocknet ohne Regen, aromatischer Geruch, Gesamtzuckergehalt 11,1 %


Ergebnisse

  • Die meisten Pferde haben am Heu geschnuppert, sind an einigen Schüsseln vorbei gegangen, haben an anderen probiert. Wenn eine Heusorte schmeckte, wurde sie komplett aufgefressen bevor das Pferd dann erst zur nächsten Schüssel ging.
  • 11 Pferde haben Heuprobe 2 als erstes gewählt und komplett aufgefressen, ein Pferd Heuprobe 1 und ein Pferd Heuprobe 6.
  • Nur 4 Pferde haben Heuprobe 1 (mit dem höchsten Zuckergehalt) aufgefressen.
  • Die Pferde bevorzugten das weichere Heu mit geringerem Anteil an Rohfasern


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Kontakt

Dr. Tanja Romanazzi

Wallrodaer Str. 13

01900 Großröhrsdorf

​T. 035952 28098

F. 035952 28096

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