Offenstallwissen

Offenstallwissen

​​​Wann funktioniert im Offenstall Heu ad libitum?

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

​Veröffentlicht am ​​​​11.​​​11.201​​​​4

Pferde sind Dauerfresser, das heißt in der Natur verbringen sie viele Stunden mit Fressen und machen selten länger als 4 Stunden Fresspause, auch nicht nachts. Das Verdauungssystem ist darauf ausgelegt, der Magen produziert beständig kleine Mengen Magensäure und jede Zwangsfutterpause ist somit Stress. Hinzu kommt der Futterneid, der umso ausgeprägter ist, je stärker portioniert wird und je geringer das Platzangebot ist. Die optimale Lösung scheint ein ständiges Heuangebot zu sein.

Heu ad libitum (= Heu steht 24h zur freien Verfügung) kann funktionieren oder auch nicht. In den verschiedenen Internetforen wird dieses Thema unter Offenstall-Liebhabern oftmals heiß diskutiert. Die einen schwärmen von den entspannten und glücklichen Pferden, die anderen haben als Ergebnis vollkommen verfettete Kugeln oder im schlimmsten Fall Krankheiten, wie EMS und Hufrehe.

Wir haben bei uns 3 große Gruppen mit Heu ad libitum und 2 Gruppen mit begrenztem Heuangebot.

Heu ad libitum Offenstall

Unsere Erfahrungen mit der freien Heufütterung sind folgendermaßen:


  • ​Die Pferde sind VIEL entspannter. Wenn man ausreichend verteilte Fressplätze hat, beobachtet man vor allem bei den rangniederen Pferden, dass sie viel besser zurecht kommen und glücklicher und stressfreier leben.
  • Wenn Pferde eine portionierte Fütterung gewöhnt sind, dann dauert es mehrere Monate (bei manchen Pferden ein Jahr) bis sie realisieren, dass immer Heu da ist und dass man nicht alles hastig fressen muss, was man bekommen kann. Die Fressmengen können bis zu 30% höher liegen.
  • Die Fressmengen können je nach Zusammmenstellung der Herden, nach der Lage der Futterplätze und nach der Art der Fütterung (Netze, Gitter, …) sehr unterschiedlich sein.


Wir haben gerade mal wieder bei uns die Mengen berechnet und waren sehr erstaunt, dass die Pferde im Paddock Trail I im Durchschnitt ca. 20 kg Heu pro Pferd pro Tag fressen und im Paddock Trail II nur 13-14kg. In beiden Gruppen verwenden wir genau die gleichen Raufen mit den gleichen Netz- bzw. Gitterabdeckungen.

Die erste Gruppe sind 5 Stuten und 4 Wallache, ein Pony und sonst Großpferde. Die meisten von ihnen sind schon etwas älter und es geht ziemlich ruhig dort zu. Im zweiten Paddock Trail lebt eine reine Wallachgruppe, darunter 4 Isländer und 6 Großpferde. In dieser Gruppe wird mehr gespielt. Es könnte also ein Grund sein, dass die Pferde dort nicht so viel aus Langeweile an den Raufen stehen. Ein anderer Grund könnte sein, dass die räumliche Aufteilung im Paddock Trail II günstiger ist. Die Heuraufen sind dort weiter entfernt am Waldrand.

Aktuell werden wir jetzt versuchen, bei den „Vielfressern“ die Heumengen durch engere Netze zu reduzieren, denn …


  • Wenn man die Fressmengen in den Herden durch entsprechende Fresshindernisse (Netze, Gitter, mischen mit Stroh) nicht ausreichend in den Griff bekommt UND wenn man kein ausreichend gutes Pferdeheu mit geringem Zuckergehalt hat, besteht die große Chance, dass viele Pferde zu fett werden.


Die Heuqualität ist aus meiner Sicht der entscheidene Faktor. Wenn man echtes Pferdeheu hat (Zuckergehalt <8%), braucht man sich um dicke Pferde überhaupt keine Gedanken machen und Heu ad libitum würde bei allen Pferden super funktionieren. Nur leider ist es extrem schwierig, so etwas zu bekommen. Wir haben letztes Jahr bei allen Heusorten den Zuckergehalt bestimmen lassen und konnten gut beobachten, wie der Zuckergehalt beim Heu den Bauchumfang der Pferde beeinflusst hat.


Fazit: Heu ad libitum ist super, wenn entweder die Heuqualität stimmt (geringer Zuckergehalt) oder man die Heufressmengen durch die Art der Fütterung und die Gestaltung des Offenstalls in einem erträglichen Maß halten kann.


​​​Wann funktioniert im Offenstall Heu ad libitum?

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​Veröffentlicht am ​​​​11.​​​11.201​​​​4

Pferde sind Dauerfresser, das heißt in der Natur verbringen sie viele Stunden mit Fressen und machen selten länger als 4 Stunden Fresspause, auch nicht nachts. Das Verdauungssystem ist darauf ausgelegt, der Magen produziert beständig kleine Mengen Magensäure und jede Zwangsfutterpause ist somit Stress. Hinzu kommt der Futterneid, der umso ausgeprägter ist, je stärker portioniert wird und je geringer das Platzangebot ist. Die optimale Lösung scheint ein ständiges Heuangebot zu sein.

Heu ad libitum (= Heu steht 24h zur freien Verfügung) kann funktionieren oder auch nicht. In den verschiedenen Internetforen wird dieses Thema unter Offenstall-Liebhabern oftmals heiß diskutiert. Die einen schwärmen von den entspannten und glücklichen Pferden, die anderen haben als Ergebnis vollkommen verfettete Kugeln oder im schlimmsten Fall Krankheiten, wie EMS und Hufrehe.

Wir haben bei uns 3 große Gruppen mit Heu ad libitum und 2 Gruppen mit begrenztem Heuangebot.

Heu ad libitum Offenstall

Unsere Erfahrungen mit der freien Heufütterung sind folgendermaßen:


  • ​Die Pferde sind VIEL entspannter. Wenn man ausreichend verteilte Fressplätze hat, beobachtet man vor allem bei den rangniederen Pferden, dass sie viel besser zurecht kommen und glücklicher und stressfreier leben.
  • Wenn Pferde eine portionierte Fütterung gewöhnt sind, dann dauert es mehrere Monate (bei manchen Pferden ein Jahr) bis sie realisieren, dass immer Heu da ist und dass man nicht alles hastig fressen muss, was man bekommen kann. Die Fressmengen können bis zu 30% höher liegen.
  • Die Fressmengen können je nach Zusammmenstellung der Herden, nach der Lage der Futterplätze und nach der Art der Fütterung (Netze, Gitter, …) sehr unterschiedlich sein.


Wir haben gerade mal wieder bei uns die Mengen berechnet und waren sehr erstaunt, dass die Pferde im Paddock Trail I im Durchschnitt ca. 20 kg Heu pro Pferd pro Tag fressen und im Paddock Trail II nur 13-14kg. In beiden Gruppen verwenden wir genau die gleichen Raufen mit den gleichen Netz- bzw. Gitterabdeckungen.

Die erste Gruppe sind 5 Stuten und 4 Wallache, ein Pony und sonst Großpferde. Die meisten von ihnen sind schon etwas älter und es geht ziemlich ruhig dort zu. Im zweiten Paddock Trail lebt eine reine Wallachgruppe, darunter 4 Isländer und 6 Großpferde. In dieser Gruppe wird mehr gespielt. Es könnte also ein Grund sein, dass die Pferde dort nicht so viel aus Langeweile an den Raufen stehen. Ein anderer Grund könnte sein, dass die räumliche Aufteilung im Paddock Trail II günstiger ist. Die Heuraufen sind dort weiter entfernt am Waldrand.

Aktuell werden wir jetzt versuchen, bei den „Vielfressern“ die Heumengen durch engere Netze zu reduzieren, denn …


  • Wenn man die Fressmengen in den Herden durch entsprechende Fresshindernisse (Netze, Gitter, mischen mit Stroh) nicht ausreichend in den Griff bekommt UND wenn man kein ausreichend gutes Pferdeheu mit geringem Zuckergehalt hat, besteht die große Chance, dass viele Pferde zu fett werden.


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Kontakt

Dr. Tanja Romanazzi

Wallrodaer Str. 13

01900 Großröhrsdorf

​T. 035952 28098

F. 035952 28096

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